Unsere Madita *RIP*

 

 

Besucher

 

 

Katzen halten wir seit 1998, als wir uns, frisch ins eigene Haus gezogen, dafür entschieden, unsere Kinder mit einem Haustier aufwachsen zu lassen.

Obwohl wir beide mit Hunden aufgewachsen waren, kam ein Hund für uns nicht in Frage, weil wir uns recht bald darüber im Klaren waren, dass wir angesichts der vielfältigen Aufgaben in Haus, Garten, nicht zu vergessen mit den Kindern, nicht in der Lage sein würden, den Ansprüchen an eine artgerechte Hundehaltung zu genügen.

Der Gedanke, sich eine Katze anzuschaffen, war also schon recht weit gediehen, als mich eines Tages meine Freundin darauf hinwies, dass im nahe gelegenen Tierheim junge Kätzchen auf ein neues Zuhause warteten.

Ich wollte “nur mal vorbeischauen” - doch als unsere damals sechsjährige Tochter in das Gehege hineinging und sich plötzlich aus dem Haufen verängstigt in der Ecke kauernder Kätzchen sich ein hübsches schwarz-weißes löste, und zielstrebig auf das Mädchen zuwackelte, waren unsere Herzen im Sturm genommen.

Anlässlich der Auswahl des Namens gab es zunächst noch eine kurze Kontroverse, weil ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte, die Katze “Pippi” zu rufen, wie es zunächst der Wunsch meiner Tochter war. Zum Glück ging sie bereitwillig auf meinen Vorschlag ein, eine andere Heldin ihrer geliebten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren als Namenspatronin auszuwählen, und so kam Madita zu ihrem Namen.

Binnen weniger Augenblicke war die frischgetaufte Madita denn auch schon in einen - geliehenen - Katzenkennel - verfrachtet, der Abgabevertrag unterzeichnet und wir - mit einem Umweg zum örtlichen Zoogeschäft zwecks Großeinkauf an Katzenklo, -streu und -futter - auch schon mit der neuen Mitbewohnerin zu Hause, wo sie umgehend unter dem Sofa verschwand und nicht mehr gesehen wurde.

Bis Thilo abends nach Hause kam. Die Überraschung war groß, doch noch größer war die Überraschung, als die kleine Madita endlich Zutrauen fasste und unter dem Sofa hervorkam - und sich nur stark hinkend, geradezu schaukelnd fortbewegen konnte.

Sofort am nächsten Morgen suchte ich mit ihr die Tierarztpraxis auf. Dort wurde festgestellt, dass sich Madita ihren Hinterlauf ausgekugelt hatte. An sich keine dramatische Verletzung, wenn sie sofort behandelt wird - doch hatte man dies augenscheinlich im Tierheim nicht bemerkt und mittlerweile hatte sich das Hüftgelenk bereits entzündlich aufgelöst...

Trotz der Behandlung war von Beginn an klar, dass Madita davon immer eine Gehbehinderung zurückbehalten würde. Um ihr das Eingewöhnen zu erleichtern, sahen wir davon ab, gleich eine zweite Katze als Gesellschaft hinzuzuholen. Es gab sowieso genug Trubel im Haus mit einer lebhaften sechsjährigen und einem noch lebhafteren Baby und von dem Gedanken, nochmals ein Tier aus dem Tierheim zu holen, waren wir angesichts der Erfahrungen auch “geheilt”.

 

MEINE TAGEBUCHEINTRÄGE VOM 25.10.07 UND FOLGENDE TAGE UND WOCHEN

 

Empfindsame Gemüter mögen bitte weiterblättern auf eine andere Seite.

Nur wer die ein oder andere Träne nicht scheut, sollte weiter nach unten scrollen.

[HOME] [ÜBER UNS] [LINKS] [KONTAKT] [UNSERE KATER] [BJÖRN] [MEHR BJÖRN] [JOSUA] [SNÖRRI] [AUSSTELLUNGEN] [VORBEREITUNGEN] [MÖGLINGEN] [BALINGEN] [FAMILIENLEBEN] [TAGESLAUF] [GARTEN] [SCHNEE] [CATTERY] [DATES] [KITTEN] [NEUIGKEITEN] [KALENDER] [F.A.Q.] [BANNERDESIGN] [MADITA RIP] [AMBER] [GENETIK] [EMS CODES]

 

 

25.10.2007

Meine Madita hatte grade einen Schlaganfall

Liegt im Wohnzimmer auf dem Sofa und schläft.

Plötzlich schreit sie ganz infernalisch, fast wie ein Kind.

Ich will schauen, da hör ich schon ein Plumpsen, denn sie ist vom Sofa gefallen.

Sie versucht quer durchs Wohnzimmer zu mir zu laufen, schleppt die Hinterbeine hinter sich her.

Ich versuche, sie auf alle viere zu stellen, immer knickt das Hinterteil weg.

Sofort zum Arzt - Diagnose: Schlaganfall.

Dabei ist sie erst neun.

Zurück vom Vet.

Der Tierarzt war sehr pessimistisch.

Sie bekam gleich eine Spritze zur Auflösung des Gerinnsels und wurde erstmal auf eine Wärmematte gelegt.

Später, wenn der Kreislauf sich stabilisiert hat, soll sie Infusionen bekommen.

Aussage des Tierarztes war sehr klar: "Wenn sie sich nicht berappelt - Also eine Katze mit neuronalen Ausfällen geb' ich Ihnen nicht mit nach Hause - Also dann muss man..."

Ich glaub', ihm fiel's genauso schwer wie uns, sie so zu sehen.

Er hat noch gesagt: Ausgerechnet die Madita, die war doch immer so zäh.

Aber das ist es wahrscheinlich - eine Katze hat sieben Leben.

Und unsere Madita hatte einfach schon zu viel in ihrem kurzen Leben:

1998: Ausgerenktes Hüftgelenk, das sich unerkannterweise so entzündet hat, dass sich der Hüftkopf aufgelöst hat (passierte noch, als sie im Tierheim war)

1999: In der Katzenpension ins gekippte Fenster geraten - wieder OPs nötig wegen ausgerenkter Hüfte.

2000: Oxalatsteine in der Blase. OP, Diät, o.B.

2006: Fibrosarkom im Nacken. OP, o.B.

Spätsommer 2007: Glaukom beiderseits mit links herausgefallener Linse.

Spätsommer 2007: erneut Fibrosarkome im Unterkiefer, Nacken am Rücken. Fast nicht operabel, weil sie aufgrund des Fibrosarkoms im Unterkiefer keine Nahrung mehr aufnehmen konnte und extrem abmagerte.

Jetzt warten wir auf den Anruf vom Doc.

Die Jungs wissen schon, wie es um sie steht.

Hab voll den Bammel davor, es der Großen zu sagen...

Ja, der Doc hat bestimmt recht. "Wenn sie sich nicht berappelt - Also eine Katze mit neuronalen Ausfällen geb' ich Ihnen nicht mit nach Hause - Also dann muss man..."

Ich wollte und KÖNNTE auch keine inkontinente, gelähmte Katze zu Hause pflegen müssen. Ehrlich nicht.

War die letzen Wochen schon schlimm genug.

Bis sie sich überhaupt erst mal daran gewöhnt hatte, dass sie halb blind ist.

Und die Augentropfen zweimal täglich wegen des Glaukoms - zuerst hatten wir die Standard-Tropfen, davon hat sie sich immer endlos übergeben müssen.

Dann bekamen wir extra Tropfen für Glaukom-erkrankte Babies (!!) verschrieben, da war's dann weniger schlimm.

Aber sie hat überhaupt keinen Lärm und Trubel mehr abkönnen.

So lange es noch warm war, ging’s ja, da hab ich die Jungs raus - aber nun???

Nee, klingt hartherzig, aber ich will so was auch nicht...

Zusehen müssen, wie sich ein Tier so quält und versteht überhaupt nicht, was mit ihm geschieht...

Ich heul jetzt ne Runde...

Heule grad ohne Ende und der Kater leckt mir die Tränen ab - der kann's auch gar nicht fassen, was mit der Dicken passiert ist.

Was schreib ich: Dicke - sie ist ja nur noch Haut und Knochen.

Boah, ich muss schon wieder heulen!!

Endlich der Anruf vom Vet.

"Katzen haben doch sieben Leben", sagt grade Thilo.

Wir waren eben beim Doc und haben unsere Madita abgeholt.

Sie sei noch ein wenig schwach, wir sollten sie warmhalten und morgen um neun wieder vorbeikommen - aber alle Reflexe seien wieder da.

Wir konnten’s gar nicht recht glauben, gut, in dem Korb in der Praxis konnte man das auch gar nicht beurteilen.

Kaum zu hause, klettert sie aus dem Korb, legt sich mitnichten müde zum Schläfchen auf die extra bereitgelegte Decke auf dem Sofa, sondern hopst von selbigem und trabt wie eine junge Katze quer durchs Haus in die Küche, schnurstraks zu Josuas Fressnapf um diesen restlos leerzufressen.

"So gut ist sie noch nie gelaufen", meint Thilo. Und eben: "Katzen haben doch sieben Leben..."

Jetzt wird's noch spannend, wir wollen nämlich Samstag früh in den schon lang gebuchten Urlaub fahren und nach diesem Schreck werden wir Madita natürlich nicht ins Katzenhotel geben, nee, da muss Josua schon alleine hin.

Und sie darf das erste Mal seit langem mal wieder verreisen.

"Tierärzte gibt's auch in Dänemark", entscheidet mein Thilo. Und ich hoffe, wir brauchen keinen anderen als unseren Superdoc.

Und den auch so schnell nicht schon wieder...

 

26.10.2007

Riesengroße Mega hundertachtziggrad-Drehung mitten in die Scheiße. Entschuldigung, wenn ich das so hart ausdrücke.

Heute morgen um fünf wache ich von beharrlichem Klopfen auf, dass sich in meinen Traum drängt.

Will gar nicht wach werden. Wer kann das nur sein?

Garantiert Kater Josua, der von innen gegen's Treppenfenster steppt, weil draußen irgend so ein blöder unkastrierter Haustürpinker, Terrassemarkierer und Sandkastenkacker auf dem Treppenvorplatz Mätzchen macht.

Und raus will, um dem mal dermaßen das Fell zu gerben, dass ihm hören und sehen vergeht - ja, es hat schon einen guten Grund, dass wir diesen samtweich anschmiegsamen Charmeur nur unter Aufsicht und angeleint rauslassen.

Der Killer im Babykatzenfell. Der würde in kürzester Zeit sämtliche Katzen der Nachbarschaft plattmachen. Bisher kam er jedes Mal, wenn er entwischte, mit bluttriefenden Pfoten zurück - sein Blut war's jedoch nicht...

Mit diesen Gedanken im schläfrigen Hirn tappe ich aus dem Bett, eine Schimpfkanonade auf den Lippen.

Aber nein, der Kater sitzt mitten in der Diele und beobachtet mit Forscherblick seinen höchstpersönlichen Versteck- und Wild-Kater-Spiel-Pappkarton - in dem Madita liegt und die Krallen an der Pappe wetzt, dass die Funken fliegen.

Madita spielt! Ich freu mich so - schon seit Monaten hat sie nicht mehr gespielt, die lange Krankheitsgeschichte hatte ihr einfach die Kraft geraubt.

Ich knie mich zu ihr runter, das nette Wort bleibt mir im Halse stecken, als sie mich anschaut und in einem solch klagenden Ton zu miauen beginnt, dass es mir kalt den Rücken runterläuft.

"Ach Maditchen, Mausekatze, was ist denn mit dir?" Sie stemmt sich mit den Vorderpfoten hoch, will zu mir laufen.

Aber nein, es wird nur ein Robben, der gesamte hintere Teil schleift gefühllos auf dem Boden.

Mir wird eiskalt, ich bin schlagartig hellwach.

In Sekundenbruchteilen wird mir klar, dass es so nicht weitergehen darf.

Klar könnte ich sie jetzt in den Transportkorb packen, eine Jacke über den Pyjama ziehen, mit nackten Füßen in die Stiefel steigen und den Doc aus dem Schlaf klingen.

Dann würde der ihr wieder eine gerinnselauflösende Spritze geben und sie würde wieder stundenlang auf dem Wärmekissen liegend eine Infusion bekommen. Und dann würden wir sie - vielleicht - gegen Abend wieder halbwegs fitgespritzt nach Hause bekommen um ihr einen gemütlichen Abend auf ihrem Lieblingsstuhl vor dem flackernden Kaminfeuer zu schieben.

Aber wann würde es das nächste Mal passieren?

Nein, mir ist klar, die Zeit des Abschieds hat begonnen.

Ich will sie mit ins Bett nehmen - sonst darf sie ja nie nachts ins Schlafzimmer, höchstens mal morgens, wenn Thilo länger schläft, noch eine Runde an seinen Füßen kuscheln.

Das mag sie eigentlich sehr gerne, deshalb packe ich sie auf unsere schöne weiche Decke.

Thilo ist mittlerweile aufgewacht, ebenfalls völlig fassungslos ob des Anblicks.

Wir streicheln sie, herzen sie. Aber sie will auf keinen Fall so liegenbleiben, wie ich sie hingelegt habe. Rutscht mit den Vorderpfoten so lange hin und her, bis sich die leblosen Hinterbeine völlig ineinander verknotet haben.

Ich will ihr helfen, die Gliedmaßen ordnen - sie beißt mir in den Daumen, zerkratzt meinen Arm und stößt wieder einen dieser unendlich traurigen Klagelaute aus.

Als ob sie sagen wollte: "Sabine, nun mach doch was. Warum funktioniert das nicht mehr??"

Sie gibt einfach keine Ruhe auf dem Bett. Schleppt sich sogar quer über Thilos Beine an den Rand um sich in schier selbstmörderischer Absicht vom Bett herabzustürzen.

Thilo schlägt vor, sie in den Transportkorb zu legen, damit sie sich nicht verletzt.

Aber auch darin rifft sie ohne Ende weiter. Quält sich von der einen Seite zur anderen und stößt unablässig Klagelaute aus.

Ich kann es nicht mitanhören und lasse sie wieder raus.

In der Diele schleppt sie sich dann auf die große rote Schmutzfangmatte vor der Dielenbank, auf der sie sich immer so gerne das juckende Winterfell vom Leib geschrubbert hat.

Kuschelt sich an die müffelnden Stoffturnschuhe von Jette, gibt einen letzten, nicht klagenden, sondern eher resignierten Jammerlaut von sich und findet endlich Ruhe.

Der Kater sitzt in Hab-acht-Stellung exakt einen halben Meter neben ihr.

Mittlerweile ist halb sieben geworden und ich beschließe, mich noch mal kurz im Bett aufzuwärmen - und falle in einen todesähnlichen Schlaf.

Als kurz vor acht der Wecker klingelt, finde ich Madita in der hintersten Ecke unter der Dielenbank. Sie hat sich auf der Matte eingenässt und dann wohl versucht, ins Trockene zu kommen.

Ich reibe sie mit einem Frotteetuch trocken, sie zeigt gar kein Interesse daran, sich ebenfalls zu putzen.

Zum Glück finde ich im Vorratsschrank noch ein Döschen sündhaft teurer Katzenpaté, das übriggeblieben ist von der Zeit, als sie wegen des Fibrosarkoms im Unterkiefer nicht kauen konnte.

Sie schlabbert das Näpfchen dankbar knurrend leer.

Nein, ein Schnurren ist das eigentlich nicht, was sie von sich gibt. Wahrscheinlich ist auch ihr Sprachzentrum betroffen, was weiß ich. Der Doc hatte ja gemeint, Schlaganfälle bei Katzen seien so gut wie nicht erforscht...

Dann nehme ich sie auf meinen Schoß und lasse sie einfach nur Wärme tanken, bedränge sie gar nicht mit Streicheleinheiten.

So liegt sie jetzt auf mir, während ich im völlig ungewohnten ein-Finger-Adler-System mir diesen Text von der Seele schreibe.

Jetzt wird es Zeit, zum Doc zu gehen.

Goodbye, Maditchen.

Später.

So, jetzt ist sie begraben.

Ich habe sie beim Doc bis zuletzt im Arm gehalten. Er hat extra viel vom Schlafmittel genommen, damit sie ganz bestimmt nichts fühlt. Dann die Herzspritze.

Der Doc hat noch gemeint, selbst wenn ich morgens um fünf im Schlafanzug gekommen sei - hätte er doch nichts anderes gemacht, als sie einzuschläfern. Bei zwei Schlaganfällen binnen 24 Stunden hat nichts anderes Sinn.

Ich habe sie in einem Pappkarton mit nach Hause bekommen.

Weiß gar nicht, wie ich den Weg nach Hause geschafft habe, mir sind die Tränen grad so runtergelaufen.

Bevor ich ins Haus bin, hab ich sie noch schön gerichtet, ein zerknülltes Küchenkrepp unter den Kopf geschoben, so dass sie wie schlafend zusammengerollt aussah.

Dann rein und den Kindern bescheid gesagt.

Oh je, war das ein Tränenmeer. Sie haben die Trauer richtig aus sich rausgeschrien.

 

Dann hab ich sie gebeten, Sachen zu suchen, die wir Madita mitgeben können.

Sie bekam:

Einen Zauberstab mit silbernem Glitterwasser

Ein Flötenmundstück

Ein selbstgebasteltes Püppchen aus Kindergartentagen

Einen Playmobilmann

Zwei Holzbauklötze

Eine künstliche Rote Rose und ein Nici-Schlüsselanhängerkätzchen

Dann habe ich ein Loch im Garten gegraben und wir haben sie direkt unter der Eberesche begraben.

Während ich grub, bemalten und beschrifteten die Kinder den Pappkarton.

Der Jüngste, der noch gar nicht schreiben kann, malte eine endlose Buchstabenkette und erzählte dabei ganz genau, was passiert ist.

Außerdem hat der Große ein Holzbrett beschriftet:

M
A
D
I
T
A

Der kleine wollte, dass ich ein Holzkreuz bastele, aber ich fand die Stele besser.

Dann haben wir sie reingelegt, erst mal Steine auf den Pappkarton und dann die Erde.

Zuletzt haben wir schöne Findlinge vom Meer darauf gelegt und Abschied genommen.

4.11.2007

Die Woche in Dänemark hat gutgetan. Abstand gewinnen.

Ich glaube, wenn wir zu hause geblieben wären, wären wir uns alle nur gegenseitig auf den Nerven herumgetrampelt.

Der erste Weg gestern abend führte dann auch zum Grab. Meine Sorge war, dass einer der vielen freilaufenden Hunde hier im Wohngebiet angefangen haben könnte, zu wühlen - aber glücklicherweise war die Ruhestätte noch unberührt.

Vier schöne große rundgeschliffene Steine haben wir mitgebracht. Die werden wir heute mittag aufs Grab legen.

Vor allem war glaube ich gut, dass wir unseren Kater wie geplant ins Katzenhotel gebracht haben. Die Kinder hätten ihn sonst wahrscheinlich kahl gestreichelt...

Morgen werden wir ihn wieder abholen, bin gespannt, wie er das leere Haus dann aufnehmen wird.

Meine Jungs wollen unbedingt eine neue Katze. Der kleine kam sogar noch am Todestag mit der klar ausformulierten Forderung (!) rüber.

Das hat Thilo sehr weh getan. Mir ist fast das Herz gebrochen, ihn so zu sehen.

Ich selbst bin ganz ambivalent: Einerseits braucht der Kater unbedingt einen neuen Spielkameraden. Andererseits tröstet so ein streichelweiches Babykätzchen ungemein gebrochene Kinderherzen. Und ich glaube, gebrochene Männerherzen noch viel mehr...

So war ich heute schon am googeln nach Waldkatzen-Kitten.

Was anderes kommt nicht in Frage, schließlich gab es jahrelang Reibereien noch und noch zwischen den Katzen, weil Norweger und "normale" Katzen eine völlig unterschiedliche Mentalität haben.

Mal ganz abgesehen davon, wie super wild und süß und knuddelig und rebellisch zugleich die aussehen. Und wie menschen- und kinderlieb die sind...

...sollte eine neue Katze auch ganz, ganz anders sein als Madita, die einzigartige.

Sie war etwas ganz ganz besonderes, und es kann nie und nimmer eine "Madita zwo" geben und die Lücke, die sie hinterlässt, kann von keiner anderen Katze ausgefüllt werden.

Nein, wenn es einen neuen vierpfotigen Mitbewohner gibt, dann muss der ganz anders sein als Madita, das spüre ich genau.

So sehr mir Madita auch fehlt, ich bin doch sehr froh, dass sie nicht mehr lange leiden musste. Dass es mit dem zweiten Schlaganfall so schnell ging, dass keine lange Leidenszeit daraus wurde. Und dass ich bis zuletzt bei ihr war, sie im Arm gehalten habe.

Besser kann eine Katze doch nicht von einem gehen.

Und gewiss hatte sie bei uns das beste Leben, das für sie als ungeliebte, abgeschobene und verwahrloste Tierheimkatze möglich war.

Wenn ich mir all das ins Gedächtnis rufe, dann kann ich sie guten Gewissens auch innerlich loslassen.

Klein-Pelle fragt abends vorm Zubettgehen: Sag, Mama, stimmt es, was Jo gesagt hat: Dass Madita jetzt ein Engel ist?

Ich denke, ja, das ist sie. Ein Engel, eine Fee, eine kleine Sternenkatze.

Ich freue mich auf den Frühling, wenn die Eberesche wieder Blätter bekommen wird. Vielleicht höre ich im Wind und im Blätterrauschen dann ihr "Mink", mit dem sie jeden einzelnen Vogel kommentierte, den sie von ihrem liebsten Fensterbrett aus im Garten sah.

Oh Madita, du fehlst mir so sehr.

Später.

Grade hat sich die Elendslage zu hause noch mal verschlimmert: Wir waren in dem - übrigens fachlich einwandfrei und hervorragend liebevoll geführten - Katzenhotel, um unseren Kater wieder abzuholen.

Tja, der war eine Woche lang das zitternde Elend dort, war sogar dabei, eine Erkältung auszubrüten mit tränenden Augen, laufender Nase, Appetitlosigkeit, so dass die Pensionsmutter schon knapp davor war, mit ihm zum Tierarzt zu gehen.

Alleine die Androhung eines Besuchs bei einer solchen grünbekittelten Respektsperson scheint bei ihm dann doch die Lebensgeister aufgeweckt zu haben und sein "hervorragendes Immunsystem" habe den Infekt dann niedergekämpft.

Muss ich extra erwähnen, dass Kater Josuas Kränkeleien just zu der Zeit stattfanden, als wir, 900 km entfernt in Nordjütland, uns kollektiv die Seele aus dem Leib gekotzt haben???

Psychosomatisch, dachte ich gleich.

Auf der Heimfahrt saß er in seinem Korb hinten auf der Rückbank zwischen den Jungs und bei jedem Wort eines der beiden wandte er sekundenschnell seinen Blick auf denjenigen.

Nach 10 km hörte er auf zu zittern, nach 15 km fing er vorsichtig an zu schnurren, nach 20 km kuckte er wie gewohnt frech vorne zur Luke raus in den Herbstwald vor der Windschutzscheibe.

Doch kaum zu hause, raus aus dem Korb, fängt er völlig rastlos an, das gesamte Haus dreimal von unten nach oben, von oben nach unten, in jedem einzelnen Winkel abzusuchen - nach unserer Sternenkatze, nach seiner "Schwester" Madita.

Jo, der doch sonst so tough sein will, sein muss in seiner blöden machoverseuchten Klasse, fing gleich wieder das große Heulen an, hat Rotz und Wasser geflennt.

Und der Kater war daraufhin noch viel verstörter, hat noch gut fünf Mal das ganze Haus abgesucht.

Er kapiert's einfach nicht, dass sie weg ist.

Klein Pelle will mit ihm spielen, ich habe extra ein neues Katzenspielzeug gekauft von der Art, die er normalerweise liebt - er ignoriert es, läuft mit leicht panischem Blick suchend durch jeden einzelnen Raum, kommt zwischendurch hilfesuchend zu mir um sich tröstende Streicheleinheiten abzuholen.

Ich bin mit meinem Latein am Ende.

Trauerarbeit mit Kindern war schwer genug, aber ich glaube, ich habe das ganz gut auf die Gleise gekriegt.

Aber wie, bitte, macht man Trauerarbeit mit Katzen???

Noch dazu kam die nette Pensionsmutter dann auch noch mit einem "Überfall" auf uns zu - der örtliche Tierschutzverein, mit dem sie zusammenarbeitet, hat gerade eine halbjährige Findelkatze mit Katzenschnupfen so weit aufgepäppelt, dass sie abgegeben werden könnte. Und "da sie so krank sei" wäre es so schön, wenn sie in solch liebevolle Hände wie unsere käme.

Oh du grüner Glibber. Zum Glück reichte ein Blickwechsel zwischen Thilo und mir - und ich habe freundlich, aber sehr bestimmt abgelehnt.

Nein - nicht noch mal diese Chose. Findelkatze vom Bauernhof, krank und vom Tierschutz mehr schlecht als recht aufgepäppelt - nein, das hatten wir schon einmal.

Jetzt will ich ein gesundes, geliebtes, gewünschtes Norwegerkitten. Das einmal jährlich zum impfen geht, vierteljährlich zum Entwurmen und circa alle drei bis fünf Lebensjahre eine ernstliche Erkrankung hat. Das langt.
 

Es tat mir so leid, in dem Moment, ich kam mir so hartherzig vor, aber ich habe jetzt eine neunjährige nahezu ununterbrochene Krankheitsgeschichte mit der Katze hinter mir.

Von den Widrigkeiten, die uns mit unseren drei Kindern in den letzten zehn Jahren widerfahren sind, mal ganz zu schweigen.

Mir reicht es. Manchmal kommt es mir vor, als würde dieser hinterhältige himmlische Wasserbombenwerfer seine jauchegefüllten Luftballons mit jedem Wurf noch treffsicherer platzieren. Es langt! Ich will jetzt auch mal meinen Anteil vom kleinen Glück - und wenn es nur eine niedliche Babykatze ist, die uns alle tröstet.

Scheiße (Entschuldigung), was bin ich egoistisch...

9.11.2007

Wir haben uns jetzt für ein Katerchen beworben.

Ja, Sie lesen richtig, wir haben eine Bewerbung geschickt, in der wir unsere Familie und unser Zuhause vorgestellt haben, bestückt mit ganz vielen Fotos von Josua und von der ganzen Familie und natürlich auch von Madita.

Beim Raussuchen der Bilder habe ich ganz schön geflennt.

Wie die zwei zu einem untrennbaren Knäuel verwoben auf dem Sofa geschlafen haben...

Das Katerchen, für das wir uns beworben haben, ist ein Notfall.

Den Beschreibungen nach hat er genau das seelenvolle Wesen wie unser Josua.

Also genau das, was der jetzt braucht.

Bei uns ist es so, wenn die Kids anfangen, von Madita zu erzählen, so halb am Schluchzen ist das dann sowieso meist, dann fängt Josua schon wieder an mit seiner Suche im ganzen Haus.

Ganz blöde Situation, einerseits müssen die Kids unbedingt darüber reden um es zu verarbeiten und andererseits wühlt es den armen Kater wieder völlig auf.

Dabei war das Verhältnis zwischen den beiden gar nicht so innig.

Er hätte sehr gerne ein liebevolleres Verhältnis zu ihr gehabt, aber sie war so kratzbürstig (wahrscheinlich ständige Schmerzen) dass sie ihn oft nur abgewatscht hat, wenn er mit diesem ganz speziellen Norweger-Spielaufforderungs-Laut auf sie zukam.

12.11.2007

Gerade eben haben wir die endgültige Zusage bekommen, dass wir die neue Familie von Björn werden dürfen!

Am Samstag in aller Herrgottsfrühe werden Thilo und ich uns Richtung Nord-Nordwest aufmachen um Björn in seinem bisherigen Heim in Rotterdam abzuholen.

13.11.2007

Ich bin ziemlich aufgeregt.

Josua spürt das natürlich mit seinen feinen Antennen und dreht derzeit spielmäßig total auf - Luftsprünge von einem Meter Höhe sind an der Tagesordnung, und wehe ich wackele mit den nackten Zehen unter dem Tisch *haps* die könnte man ja fangen.

Ich war heute zum Großeinkauf unterwegs: Hab mir Feliway nebst Elektrozerstäuber beim Tierarzt geholt, ein zweites Eck-Katzenklo für die Küche bei der Tierhandlung bestellt, derweil hat Jette ein nettes Assortissement an Katzenspielzeugen zusammengetragen.

Wasserdichte Einweg-Welpenunterlagen für den Transportkorb habe ich auch neue besorgt, von unserem Helden bin ich da ja Kummer gewöhnt: Dem kann man fünfmal vorher sagen, er soll noch mal aufs Klo gehen, nein, der kriegt nicht mal den kurzen Weg zum Tierarzt ohne einzunässen hin...
Unser Pinkelprinz halt

Da Josua so gerne auf einem Seegras-Tablett in der Nähe des Kaminofens kuschelt, das auf einer Seegras-Schatzkiste steht in der meine Jungs ihre Duplo-Ritterburg verstaut haben, habe ich exakt das gleiche noch einmal für Björn besorgt. - Frau kennt das ja von ihren Kindern, was das eine hat, will das anderen unbedingt auch haben!!

Dann habe ich von der Tierarzthelferin noch den Tipp bekommen, kurz vor der Abfahrt Josua noch mal fleißig zu bürsten und die vollgehaarte Bürste dann mitzunehmen und Björn damit zu striegeln.

Wenn der dann im Transportkorb noch auf dem Deckchen kuschelt, das ich derzeit Josua immer unter den Popo schiebe, wenn er schläft, nimmt er auf der Fahrt hoffentlich noch mehr "Stallgeruch" an.

Und die herrlich eingehaarte Fleecedecke nehme ich auch mit, die lege ich neben den Transportkorb auf die Rückbank, das duftet dann auch gut nach neuem Zuhause.

Ich hoffe so sehr, dass die beiden sich verstehen werden.

Werde schön darauf achten, dass die Streicheleinheiten und Spielanimationen ja gerecht verteilt werden.

Zur Not, wenn es doch Zoff geben sollte, habe ich immer noch meinen Bachblütenkoffer in der Hinterhand.

Ich finde es zwar nicht toll, wenn die Katzen dann so "bekifft" durch die Gegend laufen, aber allemal besser, als sich gegenseitig in der Luft zu zerfetzen.

Damit haben wir jedenfalls die gravierenden Mentalitätsunterschiede zwischen Josua und Madita damals etwas abgepuffert.

Nun, es wird schon werden. Wahrscheinlich mache ich mir viel zu viele Gedanken und Vorkehrungen...

Madita ist ja immer noch in unseren Herzen als ob sie gleich um die Ecke käme...

Wir haben extra nach einer neuen Katze gesucht, die NICHT so ist, wie sie war: Keine EKH - sondern Norwegische Waldkatze, kein Mädchen - sondern ein Junge, keine Findelkatze - sondern ein herbeigesehntes Wunschtier.

Naja, im letzteren Fall ist das nicht so ganz gelungen, aber ich glaube, das MUSSTEN wir jetzt einfach machen. Ein neunmonatiger Kater ist so viel schwerer zu vermitteln als ein Kitten.

Ich wollte unbedingt eine ganz und gar andere Katze haben, damit Madita unvergessen bleibt, so wie sie war.

Was ich beobachtet habe:

Beim Kommen und Gehen sagen meine Kinder "Hallo Ditte" zu ihrem Grab - und ich auch, aber still in Gedanken. Laut auszusprechen, traue ich mich nicht.

Aber irgendwie ist sie immer noch bei uns...

Ich bin so froh, dass das Grab unter der Eberesche neben dem Hauszugangsweg ist und nicht in irgendeiner hinteren, abgelegenen Gartenecke. So ist sie einfach DA.

15.11.2007

Ich habe mir überlegt, Ditte hört das auch, wenn ich das im Herzen sage und es nicht laut ausspreche.

Und freut sich ebenso.

Und bei den Kindern - ganz zweischneidiges Schwert, die Sprache auf Madita zu bringen.

Löst dann teilweise Heulkrämpfe bei ihnen aus - was mich dann wieder völlig runterzieht.

Sie fehlt einfach.

Gerade schneit es draußen - sie würde jetzt auf "ihrem" Fensterbrett sitzen und den Schneeflocken beim fallen zuschauen.

Mit einer ganz gespannten Konzentration, so, als gäbe es kein spannenderes "Katzenfernsehen".

Ich muss mich auch zwingen, endlich das Vogelfutterhaus vor dem Erker wieder zu befüllen - Madita hat mich immer darauf aufmerksam gemacht, wenn es leer war und ihre kleinen "Freunde", die Vögel, am rummeckern waren...

Es kommt mir so schwer vor, das Futterhaus befüllen zu müssen, ohne dass sie ganz geschäftig hinter mir bis zur Terrassentüre läuft, dann rüberspringt auf die Rückenlehne des Sofas im Erker und von dort aus ganz genau schaut, ob ich auch alles richtig mache.

Und mich dann natürlich wieder an der Terrassentüre erwartet, um mich abzuschnobern und mich mit Köpfchengeben dafür zu loben, dass ich das so fein gemacht habe...

An solchen winzigkleinen Alltagsdingen merke ich, wie sehr sie fehlt.

16.11.2007

Heute, als ich vom Winterreifen-Aufziehenlassen heimkam, habe ich "Hallo, Madita" gesagt.

Ich habe zwar vorher geschaut, ob der doofe Nachbar nicht horcht, aber bei der momentan herrschenden Eiseskälte steckt der seine Nase glücklicherweise nicht raus.

Ach ja, und das Vogelfutter hab ich auch rausgetan.

Und nicht geheult dabei, sondern bin nur wehmütig gewesen.

 

[HOME] [ÜBER UNS] [LINKS] [KONTAKT] [UNSERE KATER] [BJÖRN] [MEHR BJÖRN] [JOSUA] [YOUNGSTER] [MADITA RIP] [SNÖRRIS GESCHICHTE] [SNÖRRI] [SNÖRRI 425 TAGE LIEBE] [AUSSTELLUNGEN] [VORBEREITUNGEN] [MÖGLINGEN] [BALINGEN] [FAMILIENLEBEN] [TAGESLAUF] [GARTEN] [SCHNEE] [KATZENGARTEN] [GARTENBILDER] [PET FUN KRATZBAUM] [CATTERY] [DATES] [KITTEN] [NEUIGKEITEN] [KALENDER] [F.A.Q.] [BANNERDESIGN] [HP TUTORIAL] [MADITA RIP] [AMBER] [GENETIK] [EMS CODES]