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Ich kann euch nichts erzählen von dem Ort, wo ich geboren bin und von meinen ersten Lebensmonaten, denn damals hatte ich noch niemanden, der für mich ins Tagebuch schrieb.
Eines Tages kamen Leute zu Besuch, die waren extra wegen mir über 600 km weit gefahren. Und diese Leute waren so lieb und so freundlich. Ich bin bei dem Mann auf den Schoß gekrabbelt, und dann habe ich erst seine Frau genau angeschaut. Ja, das war eine ganz liebe.
Und dann habe ich hochgeschaut zu dem Mann, und das war bestimmt der liebste Mensch den ich je gesehen habe. Ja, mit denen wollte ich mitgehen. Die rochen auch so fein, nach zwei ganz glücklichen Katern. Also bin ich kurzerhand der Frau in die Handtasche gestiegen. Damit sie mich ja nicht vergessen.
Doch leider sagten die netten Menschen, sie hatten ja nur mein Bestes im Sinn, dass sie mich erst nach ihrem Urlaub, nach drei Wochen abholen würden. Ich weiß, meine Mama und mein Papa machen sich große Vorwürfe, dass sie mich damals nicht gleich mitgenommen haben.
Ich war dann 10 Monate alt, als mein neues Leben begann. Zuerst fuhren wir ganz ganz lange mit dem Auto. Mama und Papa redeten die ganze Zeit ganz nett mit mir. Spätabends kamen wir dann an.
Die ganze Familie hatte auf uns gewartet: Drei kleine Menschen, die nennt man Kinder, wie ich lernte, und zwei ganz freundliche Kater: Josua und Björn. Sie zeigten mir gleich alles und es war wundervoll.
Doch mit dem wundervoll war es bald vorbei. Am nächsten Werktag ging Mama mit mir zu einem Tierarzt. Als erstes wurde dann die Nase operiert. Das tat so weh, aber mein Papa hielt mich so lange, bis ich schlafen konnte.
Dann durfte ich auch raus in den Garten. Mit einem Geschirr und an einer Leine. Das Häuschen, das sie im Garten stehen haben, habe ich zuerst ganz skeptisch angeschaut. Ich wollte gar nicht gerne dort hinein.
Aber Josua und Björn gingen gerne dort hinein, und die Menschen auch, und alle gingen hinein und hinaus, gerade wie sie wollten, denn hier dürfen die Kater immer und überall mit der Familie sein.
Sogar mit in den Urlaub dürfen sie. Sie gehören zur Familie Aber das lernte ich erst später kennen. Und zu fressen gab es auch mehr als genug. Und einen eigenen Fressnapf für jeden. Damit es keinen Streit gibt und jeder genug bekommt.
Zuerst hatte ich große Schwierigkeiten mich in die Katergruppe zu fügen.
Also habe ich ordentlich in Schwänze gebissen und Katerkämpfe anzetteln wollen. Aber Josua und Björn machten da gar nicht mit. Die fanden mich ziemlich nervig und aufsässig.
Und ich merkte, wie traurig Mama und Papa wurden. Und sie telefonierten lange mit einem Mann, dem Züchter von Björn, und der erklärte und zeigte ihnen vieles. Bald wurde das Haus mit Feliway-Steckern bestückt und Mama machte fleißig Tellington-Touch mit mir.
Aber am fleißigsten war Björn, der kuckte mich irgendwann an, runzelte die Stirn, seufzte tief und dann nahm er mich das allererste Mal zwischen seine großen starken Bärenpranken und putzte mich und küsste mich und hielt mich einfach und zeigte mir was wirkliche Freundschaft unter Katern ist.
Da lernte ich, wie ein guter Kater sein soll in so einer lieben Familie. Mein Näschen verheilte und dann durfte ich das aller erste Mal mit in Urlaub fahren.
Die Fahrt war lang, aber nicht so lange wie die erste. Und ich hatte auch gar keine Angst, dass sie mich wegbringen würden. Denn wir hatten ja auch Björn und Josua dabei.
Als wir im Ferienpark ankamen, war das Ferienhaus noch gar nicht fertig geputzt. Nein, die Putzfrauen fingen gerade erst an! Oh la la, meinte Mama, die Franzosen… Aber dann kramte sie ihr Schulfranzösisch zusammen und fragte die Damen recht freundlich, ob sie bitte eines der Bäder als erstes sauber machen könnten. Da hinein durften wir dann.
Hurra, endlich raus aus dem engen Kennel. Das Klo hatte Mama inzwischen auch aufgestellt. Josua als erster hinein, aber er hatte es sich so lange verhoben, dass es nun gar nicht kommen wollte. Hockte und hockte im Klo – und ich musste doch auch! Mit einem kleinen Schrei der Verzweiflung stürzte ich mich dann auch ins Klo. Rempelte ihn ein wenig zu Seite, und dann – ahhhh.
Mama laufen die Tränen über die Wangen, wo sie das für mich aufschreibt. Snörri war immer so ein reinlicher Kater, sagt sie. Auch zuhause, im Garten. Musste ich – egal ob für kleine oder große Kater - nie hätte ich in den wundervollen Garten gemacht! Nein, da stand ich miauend vor der Tür, und sobald man sie öffnete, wie ein Blitz war ich auf dem Katzenklo.
Dieser Sommer war so schön. Mir ging es gut. Ich hatte so viel Spaß mit Björn im Garten. Dann fuhren wir wieder in Urlaub. Nach Holland. Das war so schön, wir hatten einen Garten in dem wir an der Leine raus durften. Ich nahm endlich zu.
Die gute Meerluft weckte den Appetit. Bald hatte ich 3.660 g – Mamas Augen strahlten als sie das ablas. Genauso viel hatte Jonas gewogen, als er auf die Welt kam. Dieser Sommer hätte ewig währen sollen. Er tat es aber nicht.
Zuerst kam die Tollwutimpfung. Da wurde ich so krank davon. Rasend hohes Fieber. Über eine Woche lang. Und der Arzt bekam es nicht runter.
Das gleiche Spiel bei der nächsten Impfung. Auch sonst immer wieder Fieber, ohne dass der Arzt einen Grund finden konnte. Zwischendurch ging es mir immer wieder gut, dann konnte ich wild mit Björn spielen. Dann ging es mir wieder schlechter, da wollte ich nur mit ihm und Josua kuscheln.
Dann bauten Mama und Papa für uns Kater einen abgetrennten Garten rund ums Haus. Dann konnten wir ohne Leine und Geschirr draußen spielen. Das war so schön.
Schade nur, dass es kälter wurde. Björn und Josua gingen raus. Mir war es zu kalt.
Dann kam die schönste Zeit. Mama und Papa stellten einen riesigen Baum ins Wohnzimmer, und die Kinder hingen lauter Sachen darauf. Und jeden Tag flackerte das Feuer im Ofen, und ich lag im warmen und genoss die Wärme und die Behaglichkeit. Und ich war genau ein und ein halbes Jahr alt.
Doch bald stellte Mama fest, dass mir immer das eine Nasenloch verstopft war. Und der Knubbel auf der Nase war auch wieder gekommen. Größer und schwärzer als zuvor. Als sie mich damit zum Tierarzt brachte, röntgte der mich auf Drängen von Mama, und stellte, dass die Wurzeln meiner Zähne ganz verfault waren. FORL nannten sie das.
Und bei der OP wurde dann nicht nur meine Nase gemacht, sondern auch ganz viele Zähne gezogen. Nach der OP hatte ich wieder mal Fieber. Naja, kommt halt von der OP, meinte der Tierarzt.
Langsam ging es mir dann besser. Es wurde wieder wärmer und nun ging ich mit den anderen gerne raus in den Garten. Eines Tages stellte Mama beim Streicheln eine komische Stelle auf meiner rechten Seite fest.
Mitten auf dem Brustkorb war ein fünfcentstückgroßer Grind. Sofort ging sie mit mir zu Arzt. Der beruhigte. Das sei „nichts“.
Ein paar Wochen später bekam ich wieder Fieber. Richtig hohes Fieber. Diesmal probierte der Arzt etwas neues aus. Nicht nur ein paar Spritzen zur Immunstimulanz. Und mit Antibiotika. Er hatte etwas in seiner Fachzeitschrift gelesen.
Über Mykoplasmen. Also untersuchte er mein Blut, und dann fand er sie darin. Und dass ich ganz starke Anämie hätte. Das fand er auch heraus.
Gegen die Mykoplasmen bekam ich ein Antibiotikum und gegen die Anämie sollte Mama mir Multisanostol mit Eisen geben. Von dem Antibiotikum ging es mir dann ganz schlecht. Ich wollte gar nichts mehr fressen. Mama hat mich mit einer Spritze gefüttert und mit dem Löffel wie ein Baby. Wie ihr Baby.
Sie fragte den Arzt auch ganz oft, ob ich keine Transfusion bräuchte. Das hatte sie im Internet gelesen. Nein, auf gar keinen Fall.
Aber Infusionen, die gab er mir. Ganz viele, und ganz schnell ließ er sie laufen. Mir ging es immer schlechter. Da müsse noch etwas anderes sein, außer die Mykoplasmen, meinte der Arzt.
Aber gesucht hat er nicht nach dem „anderen“. Obwohl Mama ihn immer darauf hinwies, dass ich doch immer noch den komischen Grind hatte. Und Mama hatte nichts anderes mehr im Sinn, als mich zu füttern und mir Spritzen zu geben und Medizin. Und mich wieder zur Infusion zu fahren.
Eines Tages hatte ich eine Beule auf der rechten Seite. Ziemlich weit unten, Richtung Bauch. Sie zeigten es dem Arzt. Das ist nichts, meinte der. Da wird von der Infusion was daneben gelaufen sein.
Am übernächsten Tag war die Beule nicht mehr unten am Bauch sondern eine Handbreit weiter oben. Das ist nichts, meinte der Arzt lapidar.
Dann wanderte die Beule an meine rechte Schulter. Und mir ging es richtig schlecht. Obwohl kein Termin für eine Infusion anstand brachte Mama mich zum Arzt. Das ist doch nichts, meinte der Arzt. Ihm geht es doch schon viel besser. Sehen Sie das nicht?
Am Abend, Mama war gerade mit dem kleinen Peer nach Hause gekommen, wollte ich mich zu Mama und Papa ins Wohnzimmer setzen. Ich lief ins Wohnzimmer, und auf einmal schrien sie auf - da läuft es ja rot und blutig aus Snörris Schulter!!
Mama rannte nach Tupfern und presste sie auf die Wunde. Sie dachte, mein dünnes Blut rinnt mir davon. Papa rief beim Arzt an, dann fuhren wir los zu ihm.
Nun, das „nichts“ war ein Abszess. Der sich geöffnet hatte. Der Arzt drückte ein paar mal halbherzig daran herum, da floss es in großen Strömen heraus. Danach spülte er noch etwas mit einer Flüssigkeit, dann komplimentierte er uns aus der Praxis. Es war nach neun, und er wollte wohl seinen Feierabend haben.
Zwei Tage später badete mich Mama. Ich war doch immer so ein reinlicher Kater gewesen. Und nun war ich voller Eiter und Blut, hatte keine Kraft mehr zum Putzen. Das warme Wasser tat so gut. Hinterher hielten mich die Kinder abwechselnd in Badelaken gewickelt, bis ich trocken war.
Dann fing der Abszess wieder an zu laufen. Mama fühlte ganz vorsichtig und spürte, dass vom offenen Abszess zu den anderen Abszessen ein ganzes Netz an Kanälen zu spüren war. Mama massierte das so lange, bis alles draußen war. Dann schüttete sie eine halbe Flasche Octenisept über mich, so lange, bis ich wieder sauber war.
Das nächste Mal beim Arzt zur Infusion war der ganz kleinlaut. Also woher nur diese Abszesse gekommen wären…
Mama wies ihn nur darauf hin, dass sie ihn immer und immer wieder an den komischen Grind erinnert hatte. Insbesondere, nachdem sie beim Jäten im Garten ausgelegte Glasscherben gefunden hatte.
Jedenfalls, meinte der Arzt, jetzt, wo die Abszesse sich eröffnet hätten, würde es mir schlagartig besser gehen. Aber es wollte mir nicht besser gehen. Eine Woche später ging es mir so schlecht, dass Papa glaubte, ich würde sterben. Und ich wollte auch nicht mehr. Ich wollte nur noch Ruhe und Schlafen. Ewig schlafen.
Mama aber ging sofort wieder zum Arzt mit mir. Plötzlich redete der von Bluttransfusion. Plötzlich redete der von Tierklinik. Plötzlich sollte alles nur noch schnell, schnell gehen. Mama fragte, ob sie Björn mitnehmen solle. Als Spender. Nein, keinesfalls, die Klinik habe eigene Spenderkatzen.
Aber Mama glaubte ihm nicht mehr. Sie fuhr zuhause vorbei und holte Björn. Dann fuhren wir in die Tierklinik in der Großstadt. Natürlich hatten sie keine Spenderkatzen. Und waren froh über Björn, denn sie konnten zwar Blut bestellen, aber das würde zwei Tage dauern, bis es käme.
Und so wurden Björn und ich zu Blutsbrüdern. Das war das schönste, was ich je erlebt habe. Dass mein lieber großer Ziehbruder nun mein echter, wahrer Bruder wurde. Nach der Transfusion ging es mir so gut! Als Mama abends kam, um Björn zu holen, nahm sie mich aus dem Käfig und ich freute mich so sie zu sehen. Ich gab ihr tausend Küsschen und rieb mein Näschen wieder und wieder in ihrem Gesicht.
Ich war so froh, dass es mir besser ging! Jetzt wollte ich wieder leben! Und dafür wollte ich kämpfen! Jetzt war ich der Blutsbruder von Björn, dem tapferen Wikinger, und nun würde ich ebenso tapfer kämpfen bis zuletzt!
Mama nahm dann Björn mit nach Hause. Meinen Helden. Am nächsten Tag kamen sie und Papa mich wieder besuchen. Papa freute sich so sehr, als er mich sah. Wie viel besser es mir ging, meinte er.
Mama war ganz tapfer, solange sie bei mir waren. Ich sah es ihr an. Sie war zu Tode erschrocken. Wie viel schlechter es mir schon wieder ging im Vergleich zum Tag zuvor.
Die Ärzte sprachen die beiden darauf an, mich einschlafen zu lassen. Sie sagten etwas von HCM, was erschwerend hinzu käme. Ich schaute Mama nur an, wusste genau, was sie dachte: Wie oft hatte sie im letzten Jahr den Arzt gefragt, ob ich HCM haben könnte, weil mein Herz so rasend schnell schlug?
Nein, entschieden Mama und Papa. Nun ist das Blut da, nun geben wir Snörri die Chance. Ich war so glücklich darüber! Ich wollte leben! Und wie ich leben wollte! Und dafür kämpfen! Ich küsste sie und herzte sie mit meinem Näschen. Ich habe die Tränen geschmeckt. Aber sie versuchten sie vor mir zu verbergen.
Am Tag darauf holten sie mich heim. Ich bekam Antibiotika und Cortison, und endlich hatte ich auch wieder Appetit. Es sah so aus, als ob alles sich zum Guten wenden würde. Ich ging raus in den Garten, spielte mit Björn. Kuschelte mit Josua.
Doch immer wieder kam das Fieber. Mama sprach es immer wieder an in der Ambulanz der Tierklinik. Dass ich ja die Abszesse gehabt hatte. Und ob man dies nicht bedenken müsse. Nie wurde darauf eingegangen. Man wollte uns zurücküberweisen zu jenem Arzt. Nein, sagten Mama und Papa. Zu dem gehen wir nicht mehr.
Gingen wieder in die Sprechstunde der Tierklinik. Führten Telefonate mit der Klinikchefin. Die drängte darauf, sie sollten wieder zurück. Also auf der Suche nach einem anderen Arzt. In der ersten Praxis stundenlang im Wartezimmer „vergessen“ worden. Endlich einen Arzt gefunden, der die weitere Medikamentengabe verschreiben konnte. Alles sah so gut aus.
Doch auf einmal wollten meine Beine nicht mehr das tun was ich wollte. Ich knickte immer wieder ein. Mein Kopf begann zu wackeln. Dann war da ein schrecklicher Lärm ich erschrak mich so sehr. Mein ganzer Körper begann zu zucken. Und mein Herz machte ganz wilde Dinge.
Dann hörte ich Mama wie durch einen Nebel schreien: Thilo, mach doch was, Snörri stirbt! Und dann dachte ich, aha, so ist das also wenn man stirbt. Doch dann fühlte ich Papas große warme Hände auf mir und er ließ seine Stärke und Kraft in mich fließen, und dann hob er mich auf und trug mich ins Haus und dann hielt er mich, bis ich wieder da war.
Das war nur vom Lärm, sagten Mama und Papa. Und ich wollte ihnen glauben. Doch drei Tage später bekam ich das Zucken und Krampfen wieder. Und da war gar kein Lärm. Sie riefen bei dem neuen Doktor an, doch der war unterwegs. Es war ja Wochenende.
Also gingen sie doch wieder mit mir in die Tierklinik. Dort bekam ich wieder Infusionen, musste dort bleiben. Der Sonntag war schrecklich. Da durften sie mich nicht besuchen. Als sie Montag kamen, konnten sie die Tränen nicht zurückhalten. So schlecht ging es mir.
Doch die Ärzte meinten, es ginge mir schon besser. Und am nächsten Tag würden sie großes HCM-Schallen machen. Dazu kamen Mama und Papa dann in die Klinik.
Als ich sie sah, als ich ins Behandlungszimmer gebracht wurde, wollte ich nur noch raus aus dem Kennel. Und dann habe ich sie geherzt und abgeschleckt und ihnen Küsschen mitten auf den Mund gegeben weil ich so froh war, sie zu sehen.
Beim HCM-Schall zeigte ich dann alle Kräfte, die je in mir steckten. Papa musste meine Hinterbeine halten. Er ist groß und stark, aber hinterher war er nassgeschwitzt. Ich wollte leben! ich wollte meine Lebenslust hinausschreien!
Wie glücklich ich war, als ich die Freude in Mamas und Papas Herzen spürte. Diese Menschen, die mir so viel Liebe geschenkt hatten, die so um mich gekämpft hatten - mit ihnen, bei ihnen wollte ich leben! Am nächsten Tag sollte ich entlassen werden. Die Prognose sei gut, ich sei ja jetzt so gut in Form.
Als Mama und Papa mich holten, fiel ihnen schon das Wackeln und Zittern wieder auf. Trotzdem nahmen sie mich mit nach Hause. Zuhause wurde es noch schlimmer. Sobald die Infusionen weg waren, brach alles zusammen.
Ich torkelte durchs Haus. Ich, der reinlichste Kater der Welt, fand das Katzenklo nicht mehr und machte Pipi unter die Treppe. Ich habe mich so geschämt. Aber Mama hielt mich und küsste mich und sagte, das sei gar nicht schlimm.
Den ganzen Abend hielt sie mich. Das Fieber kam wieder. Sie versuchten es mit fiebersenkendem Mittel und mit Wadenwickeln. Nichts half. Mein Atem wurde schwerer und schwerer.
Mama hielt mich in den Armen und flehte mich an, loszulassen und über die Brücke zu gehen. Aber ich konnte doch nicht. Ich wollte doch mit dieser wundervollen Familie, bei diesen wundervollen Katern leben!
Die ganze Nacht lag ich im Bett zwischen Mama und Papa. Und sie hielten mich alle beide, während mein Atem immer schwerer wurde. Aber aufhören zu kämpfen wollte ich immer noch nicht.
Morgens riefen sie dann bei dem neuen Doktor an. Der machte sich gleich Zeit frei. Dann fuhren wir dorthin. Der Doktor untersuchte mich. Er sprach ganz lange und eingehend mit Mama und Papa.
Dann spritzte er mir etwas, und ich wurde müde und schlief ein. Ich spürte Mamas Hände auf meinem Fell und ihre Liebe.
Und dann kam die Erlösung. Ich atmete ein letztes Mal aus und seufzte leise dabei.
Dann war der Kampf endlich vorbei.
Ich sah, wie Mama sich über meinen Körper beugte, wie ihre Tränen mein Fell durchnässten, wie sie ihr Gesicht in meinen Haaren vergrub. Dann nahm sie meinen leichten Körper vom Tisch in ihre Arme und schrie den Schmerz aus sich heraus.
Papa zitterte am ganzen Körper, nahm Mama mitsamt mir in den Arm und drückte uns beide so fest, als ob er nie wieder loslassen wollte.
Dann brachten sie mich nach Hause. Dort legten sie mich mit meiner liebsten Schmusedecke in einen Karton.
Mama schnitt Rosen für mich. Weiße. Papa suchte meine weiße Spieleente.
Björn kam und leckte mir ein letztes Mal das Gesichtchen. Josua setzte sich neben mich auf den Boden und sah mich ganz lange unverwandt an. Ich war so froh, dass sie einander hatten.
Und Mama hatte ja Papa und Papa hatte Mama. Die klammerten sich aneinander. Dann saßen sie ganz lange weinend an meinem kleinen Sarg. Ich gab ihnen Kraft, soviel ich konnte. Jetzt fiel mir alles plötzlich so leicht.
Dann konnten sie die Kinder holen. Ihre Tränen zu sehen, ihre verzweifelten Schreie zu hören, tat so weh. Aber was für tapfere Kinder. Ich bin so stolz auf sie.
Jette holte eine blaue Stoffrose. Blau wie meine Augen. Jonas holte einen Playmobilwikinger. Ein Kämpfer wie ich. Peer holte ein Playmobilbaby. Ein Baby wie mein Baby, sagte er.
Dann grub Papa ein Grab für mich. Und dorthinein legten sie meinen Körper.
Ich aber bin immer noch bei ihnen und werde sie nie ganz verlassen. Ich wache über sie, wie ein schneeweißer Engel. Nachts komme ich und besuche sie in ihren Träumen. Dann bin ich ein gesunder, starker, großer Kater der ich leider habe nie auf Erden sein dürfen. Dann küsse und herze ich sie. Das ist so schön.
Ich will nicht über die Regenbogenbrücke gehen. Ich will bei ihnen bleiben, bei den Menschen, die mich so geliebt haben. Die ich so sehr liebe.
Ich bin Elvdals Snoeboll. Ein Wikinger.
Die, die mich lieben, nennen mich
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